Du bist Yoga-Neuling und auf der Suche nach dem passenden Yogastil für dich? Oder denkst du sogar über eine Ausbildung als Yogalehrerin nach und bist nicht sicher, in welcher Stilrichtung du diese absolvieren möchtest? Egal ob du Yoga zur Entspannung, als körperliches Training oder wegen seiner spirituellen Aspekte ausüben möchtest: Es gibt einen Yoga-Stil, der zu dir passt. In diesem Beitrag stelle ich dir die 10 beliebtesten Yoga-Stile und ihre Eigenschaften vor.

Yogaschüler in Yogastunde

Die unzähligen Vorteile von Yoga – darunter eine verbesserte Körperhaltung, erhöhte Kraft, Konzentration und Flexibilität und verringerte Angstzustände – sollten eigentlich bereits ausreichen, um jeden auf die Matte zu bringen. Trotzdem zögern einige Menschen aufgrund von allgegenwärtiger Mythen, diese uralte Form der geistigen und körperlichen Übungen anzunehmen und auszuprobieren. Yoga ist zu langsam, zu langweilig, zu esoterisch. Es wird in stickigen, mit Weihrauch gefüllten Räumen praktiziert – oder in der Hitze von 40° Celsius. Es ist nur was für Frauen und – der irrtümlichste Vorbehalt von allen – Yoga ist nur etwas für gelenkige Menschen.

Der passende Yogastil

Tatsächlich gibt es für jeden Menschen die passende Yogaart, unabhängig von deinem Körpertyp, deinen Vorlieben und deinem Temperament. Yoga entwickelt Kraft, Balance und Flexibilität. Letzteres ist eine Folge der Yogapraxis, nicht jedoch eine Voraussetzung. Niemand ist jemals zu seiner ersten Yogastunde erschienen (es sei denn, er war Tänzer oder Turner), und konnte bereits fortgeschrittene Yogahaltungen exzellent ausführen.

Die größte Freude und den größten Nutzen wirst du aus Yoga ziehen, wenn du den für dich passenden Stil gefunden hast. Wenn du zum Beispiel bereits viel Krafttraining praktizierst, könntest du einen Yogastil ausprobieren, bei dem du dich mehr auf deine Flexibilität konzentrierst, wodurch du deine Fitnessroutine ausbalancieren kannst. Yin- oder Hatha-Yoga könnte hier das Richtige für dich sein. Wenn es dich reizt, die spirituelle Seite von Yoga zu entdecken, könntest du es mit Jivamukti-Yoga versuchen. Und für diejenigen, die relativ gesund sind und vor allem eine körperliche Herausforderung suchen, könnte Ashtanga oder Vinyasa Flow eine gute Wahl sein.

Bevor du eine Entscheidung triffst, würde ich dir raten, verschiedene Yogastile zu testen. Wenn du glaubst, den passenden Stil für dich gefunden zu haben, lohnt es sich außerdem, ein paar verschiedene Lehrer auszuprobieren. Jeder Lehrer hat seinen eigenen Stil, Schwerpunkt und einzigartige Persönlichkeit, was ihren Yogastunden einen individuellen Charakter gibt.

Iyengar-Yoga

Iyengar- und Ashtanga-Yoga stammen aus derselben Linie. Die Lehrer, die diese Stile entwickelt haben (B. K. S. Iyengar und Pattabhi Jois), wurden beide von Tirumalai Krishnamacharya unterrichtet. Viele der Asanas (Körperhaltungen) sind gleich, aber der Ansatz ist unterschiedlich. Iyengar-Yoga eignet sich hervorragend, um die Feinheiten der korrekten Ausrichtung zu erlernen. In einer Iyengar-Stunde hält man Posen (insbesondere Stehhaltungen) in der Regel viel länger als in anderen Yogastilen. So können die Praktizierenden genau auf die präzise Ausrichtung der Körperhaltung achten, die diese Asana erfordert. Verschiedene Hilfsmittel – Gürtel, Blöcke und kissenartige Polster (auch Bolster genannt) – helfen dem Yogi, in Posen mit korrekter Ausrichtung zu gelangen. Eine modernere Form des Iyengar-Yoga ist Anusara-Yoga.

Für wen ist Iyengar-Yoga geeignet?

Iyengar verlässt sich stark auf Requisiten, um den Schülern zu helfen, ihre Ausrichtung zu perfektionieren und auf sichere Weise tiefer in die Posen einzutauchen. Die Asanas werden über einen längeren Zeitraum gehalten und du wirst dich nach einem Iyengar-Kurs unglaublich offen und entspannt fühlen. Dieser Stil ist großartig für Menschen mit Verletzungen, die langsam und methodisch arbeiten müssen. Einige der Benefits dieser Yogaart sind gesteigerte Flexibilität sowie eine verbesserte Haltung.

Ashtanga-Yoga

Ashtanga ist ein energischerer Yogastil. Er beinhaltet eine Reihe von Posen, die man jeweils nur fünf Atemzüge lang hält. Das System basiert auf sechs Serien von Asanas, deren Schwierigkeitsgrad zunimmt, so dass die Schüler in ihrem eigenen Tempo arbeiten können. Die Asanas einer Serie werden dabei in der immer gleichen Abfolge durchgeführt. 

Stell dich darauf ein, ordentlich zu schwitzen und überfordert zu werden – denn die anspruchsvollen Asanas sind genau darauf ausgelegt, den Schülern Demut zu lehren. Beim Ashtanga Yoga solltest du also bereit sein, auch einmal an deine Grenzen zu kommen – und über sie hinauszuwachsen. 

Für wen ist Ashtanga-Yoga geeignet?

Ashtanga-Yoga beinhaltet eine körperlich sehr anstrengende Abfolge von Haltungen. Daher ist dieser Yogastil definitiv nichts für Anfänger. Er ist besonders geeignet für Yogis, die an ihrer Stärke, Durchhaltevermögen und Selbstkontrolle arbeiten möchten, da er Kraft, Beweglichkeit und Balance fördert und den Geist befreit.

Anusara

Anusara bedeutet „mit Anmut fließend“, was häufig auch als „dem Herzen folgend“ ausgelegt wird. Demnach ist ein wichtiger Teil dieser Praxis die Herzöffnung. Anusara-Yoga ist spirituell inspirierend und legt, ähnlich wie Iyengar-Yoga, einen Fokus auf eine exakte Ausrichtung der Asanas. Es kann therapeutisch wirksam und körperlich transformierend sein und die Übungen werden mit Bedacht und Zeit ausgeführt.

Die zentrale Philosophie dieses Yogastils ist, dass jeder Mensch in jedem Teil von Körper, Geist und Seele gleichermaßen göttlich ist. Die verschiedenen Fähigkeiten und Grenzen jedes Schülers werden respektiert und geehrt.

Für wen ist Anusara-Yoga geeignet?

Anusara wird in einem langsameren Tempo ausgeführt und konzentriert sich darauf, wie sich jeder Körperteil bewegen sollte. Es ist auch bekannt für seine Betonung der Herzöffnung. Anusara Yoga ist gleichermaßen für Anfänger als auch für fortgeschrittene Yogis geeignet. Es wirkt Stress reduzierend und verbessert die Atmung und den Fokus.

Vinyasa-Flow

In Vinyasa-Klassen wird die Bewegung mit deinem Atem und deinem Bewegung koordiniert, um von einer Pose in eine andere zu fließen. Die einzelnen Posen hältst du dabei nur kurz und der Fluss durch die Asanas orientiert sich an einer bestimmten Anzahl von Atemzügen. Vinyasa-Stile können je nach Lehrer variieren, und es kann viele Arten von Posen in verschiedenen Sequenzen geben. Vinyasa Flow ist eigentlich ein Überbegriff für verschiedene Stile – Einige Studios nennen es Flow-Yoga, Yoga im Flow-Stil, dynamisches Yoga oder Vinyasa Flow.

Für wen ist Vinyasa-Yoga geeignet?

Vinyasa-Yoga ist gleichermaßen für Anfänger als auch für fortgeschrittene Yogis geeignet. Zu den Benefits gehören eine gestärkte Kraft und Flexibilität sowie verbesserte Konzentration und Atmung. Durch die fließenden Bewegungen erhältst du ein gutes Cardio-Training, da Vinyasa-Sequenzen konditionell fordernd sind.

Wenn du gerade mit Yoga anfängst, ist es eine gute Idee, zuerst ein paar Klassen in einem langsameren oder statischeren Yogastil zu besuchen, um ein Gefühl für die Asanas zu bekommen und sie korrekt auszuführen.

Bikram-Yoga

Bikram-Yoga wurde von dem indischen Yogi Bikram Choudhury in den frühen 1970er Jahren entwickelt. Er entwarf eine Abfolge von 26 Yogahaltungen, um die Muskeln zu dehnen und zu stärken sowie die Organe des Körpers anzuregen und zu „spülen“. Bikram-Yoga findet in einem beheizten Raum statt, um die Freisetzung von Giftstoffen zu erleichtern. So soll Bikram-Yoga eine ordnungsgemäße Funktionsweise jedes Körpersystems anregen. Jede Bikram-Stunde, zu der man irgendwo auf der Welt geht, folgt der gleichen Abfolge von 26 Posen.

Wenn du an einem Bikram-Yoga-Kurs teilnimmst, stell dich darauf ein, ordentlich zu schwitzen. Jedes Studio ist so konzipiert, dass es das Klima des Geburtsortes des Yoga nachbildet, mit Temperaturen bis zu 40° Celsius.

Für wen ist Bikram-Yoga geeignet?

Die Sequenz umfasst eine Reihe von 26 Grundstellungen, von denen jede zweimal ausgeführt wird. Viele dieser Posen konzentrieren sich auf die richtige Ausrichtung. Bikram-Yoga ist somit geeignet für Yogis, die Struktur und Durchhaltevermögen schätzen, wobei es für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet ist, die sich selbst fordern möchten. Zu den Vorteilen von Bikram-Yoga gehören eine gesteigerte Konzentration und mentaler Fokus sowie die Reinigung und Entgiftung des Körpers.

Kundalini-Yoga

Kundalini Yoga wurde entwickelt, um Energie in der Wirbelsäule zu wecken. Kundalini-Yoga-Klassen umfassen Meditation, Atemtechniken und Chanten sowie die Ausführung von Asanas.

Kundalini Yoga, das aus dem Tantra-Yoga hervorgegangen ist, blieb einst ein streng gehütetes Geheimnis, das nur von wenigen Auserwählten praktiziert wurde. 1969 beschloss Yogi Bhajan jedoch, diese Tradition zu ändern, indem er Kundalini in den Westen brachte. Yogi Bhajans Argumentation basierte auf der Philosophie, dass es das Geburtsrecht eines jeden Menschen ist, „gesund, glücklich und heilig“ zu sein, und er glaubte, dass Kundalini spirituell Suchenden aller religiösen Pfade helfen würde, ihr größeres Potenzial zu erschließen.

Meditativer Yogastil

Für wen ist Kundalini-Yoga geeignet?

Die Kurse in diesem Yogastil sind ziemlich intensiv und können Gesang, Mantren und Meditation beinhalten. Kundalini-Yoga ist ideal für jeden, der gerne Stress abbauen und sich mit seinem inneren Selbst verbinden möchte. Es stärkt das Nervensystem und hat eine reinigende Wirkung.

Hatha-Yoga

Hatha-Yoga ist der klassischste aller Yogastile. Eine als „Hatha“ bezeichnete Yogastunde umfasst in der Regel eine Reihe von Körperhaltungen (Yogastellungen) und Atemtechniken, die langsamer und mit mehr statischen Haltungsanweisungen geübt werden als vielleicht eine Vinyasa-Flow- oder Ashtanga-Stunde. Es ist oft eine eher sanfte Yoga-Klasse.

Für wen ist Hatha-Yoga geeignet?

Hatha-Yoga-Klassen sind besonders gut für Anfänger geeignet, da sie in der Regel langsamer als andere Yogastile sind. Hatha-Yoga dient zum Stressabbau und stärkt deine Muskeln sowie deine Atmung und deinen Fokus. Wenn du Yoga gerade neu für dich entdeckst, ist Hatha-Yoga ein großartiger Einstieg in die Praxis.

Yin-Yoga

Yin-Yoga stammt aus der taoistischen Tradition und konzentriert sich auf passive, sitzende Haltungen, die auf das Bindegewebe zielen. Die Posen werden zwischen einer und 10 Minuten lang gehalten. Ziel ist es, die Flexibilität zu erhöhen und ein Gefühl des Loslassens zu fördern. Dieser Yogastil wird vor allem im Sitzen oder im Liegen praktiziert.

Auch wenn es ein eher passiver Yogastil ist, kann Yin-Yoga aufgrund der langen Haltungen recht herausfordernd sein, besonders wenn der Körper nicht daran gewöhnt ist. Es dient dazu, die tieferliegenden Körperschichten, das Bindegewebe (Sehnen, Faszien und Bänder) mäßig zu belasten, um die Durchblutung zu erhöhen und die Flexibilität zu verbessern.

Yin-Yoga zielt im Gegensatz zu restorativem Yoga nicht unbedingt auf Menschen mit Verletzungen ab, sondern stellt einen Ausgleich zum stressigen Alltag oder körperlich anstrengenderen Übungen dar.

Asana im Yin Yogastil

Für wen ist Yin-Yoga geeignet?

Yin-Yoga ist eine wunderbare Möglichkeit, die Grundlagen der Meditation und der Beruhigung des Geistes zu erlernen. Als solche ist sie ideal für sportliche Typen, die Verspannungen in überlasteten Gelenken lösen müssen, und sie ist auch gut für diejenigen, die sich gerne entspannen und lernen möchten, loszulassen.

Restorative Yoga

Beim restorativen Yoga geht es um die Heilung von Geist und Körper durch einfache Posen, die oft bis zu 20 Minuten lang gehalten werden. Oftmals werden als Unterstützung Hilfsmittel wie Bolster, Kissen und Gurte verwendet, um in den Haltungen bestmöglich entspannen zu können. Restoratives Yoga ist weniger körperlich anstrengend ist als einige andere Yoga-Stile. Es dient insbesondere der Erholung. Dadurch dass du in den Haltungen lange verweilst, dringt die Entspannung nachhaltig in tiefe Körperschichten und hält auch über die Zeit der Yogastunde hinaus an.

Für wen ist Restorative Yoga geeignet?

Restorative Yoga ist ein sanfter, entspannender, passiver Yogastil. Er ermöglicht es den Praktizierenden, sich zu entspannen und den Körper in eine sanfte Dehnung zu entlassen, die länger gehalten wird. Du verbringst also während des Unterrichts mehr Zeit in weniger Haltungen. Viele der Haltungen werden modifiziert, um einfacher und entspannender zu sein. Restoratives Yoga eignet sich besonders für Menschen mit Verletzungen oder chronischen Beschwerden.

Jivamukti-Yoga

Jivamukti wurde 1984 von David Life und Sharon Gannon gegründet und bedeutet „Befreiung zu Lebzeiten“. Es handelt sich dabei um eine Praxis im Vinyasa-Stil mit Themenstunden, die häufig spirituelle Elemente wie Gesang, Musik und Schriftenlesungen beinhalten. Jivamukti-Lehrer ermutigen die Schüler, die yogische Philosophie in ihrem täglichen Leben anzuwenden. Der Beginn des Unterrichts wird in der Regel mit Gesängen eröffnet. Es folgt eine Reihe von Asanas, die den fünf Grundsätzen des Jivamukti-Yoga und der Jivamukti-Philosophie entsprechen. Der Fokus liegt bei der Durchführung der Asanas auf der Einheit von Atmung und Bewegung.

Klangschale

Für wen ist Jivamukti geeignet?

Jivamukti-Yoga eignet sich für dich, wenn du auf der Suche nach einem Yogastil bist, der stark meditativ, aber dennoch körperlich herausfordernd ist. Die Asanas im Jivamukti-Yoga sind sehr dynamisch und im Stil des Vinyasa Flow gehalten. Es schadet also nicht, wenn du bereits ein bisschen Yoga-Erfahrung mitbringst.

Fazit

Probiere einfach verschiedene Yogastile aus, bis du eine Praxis findest, die dir besonders zusagt. Und vergiss dabei nicht, aufgeschlossen zu bleiben und Neues und Unbekanntes zu wagen – Ich wünsche dir viel Spaß beim Üben und Ausprobieren der verschiedenen Yoga-Stile!

Spielst du sogar mit dem Gedanken, eine Ausbildung als Yogalehrerin in einem bestimmten Yogastil zu absolvieren? In diesem Artikel findest du Tipps dazu, wie du das passende Yoga Teacher Training für dich findest.


2 Kommentare

Lara · 4. Mai 2020 um 15:37

Liebe Frauke,
ich finde deinen Beitrag zu den unterschiedlichen Stilen super informativ – mir war gar nicht bewusst, dass es so viele verschiedene Yogaarten gibt!
Bei einigen Begriffen habe ich mich beim Lesen amüsiert – wie spricht und betont man wohl „Jivamukti“? Da kann man wahrscheinlich als Neuling nur ins Fettnäpfchen treten ;D
LG
Lara

    Frauke · 7. Mai 2020 um 18:00

    Liebe Lara,
    vielen Dank für deinen Kommentar und es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat! Lass mich gerne wissen, falls du Hilfe bei der Suche nach dem passenden Stil für dich benötigst.
    Viele Grüße,
    Frauke

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